Eugenik
Ist die Eugenik wirklich etwas, das man ablehnen sollte? Machen wir uns nichts vor, die Eugenik ist allgegenwärtig, von Anfang an, immer schon gewesen, und sie wird auch immer
bestehen. Sie ist Bestandteil der Evolution, und ohne sie ist Evolution nicht möglich. Nur die Verlierer und die Schwachen sind dagegen. Man muss unter Eugenik nicht unbedingt die seit 1883
bekannte Ideologie verstehen, die sich auf die Bevölkerung und deren Selektion nach besseren und schlechteren Menschen bezieht, denn diese Selektion gab es schon immer, und das nicht nur in Bezug
auf den Menschen. Sie können dies sogar bei sich selbst beobachten. Sie essen z. B. lieber eine frische Tomate als eine verdorbene. Sie wollen lieber ein Auto, das gut und sicher fährt, statt
einer alten Klapperkiste, die Sie in Gefahr bringt. Genauso möchten Sie lieber mit besseren Menschen zu tun haben als mit schlechteren, Kriminellen z. B., natürlich Ihren Vorstellungen
entsprechend. Oder kennen Sie viele gesunde Menschen, die mit Behinderten verheiratet sind? Wahrscheinlich nicht, und vermutlich können Sie sich das auch nicht vorstellen. Sie suchen sich lieber
einen guten Partner. Zuerst nach seinem Aussehen und dann nach seinen Fähigkeiten. Sie wollen auch Ihre Heizung nicht von einem schlechten Monteur reparieren lassen und damit Gefahr laufen, im
Winter erfrieren zu müssen oder eine weitere Reparatur zu benötigen, die Ihnen zusätzliche Kosten beschert. Stattdessen wollen Sie diesen Dienst von einem fähigen Installateur erledigt haben.
Oder werfen wir einen Blick ins Tierreich. Das ist Eugenik pur. Der Löwe schlägt zuerst das schwächste Tier einer Herde, weil es langsamer ist als die anderen und nicht so gut wegrennen kann. Der
Löwe ist nicht dumm. Das ist einfach ein leichteres Unterfangen. Selbst innerhalb eines Stammes, wenn zum Beispiel das Nahrungsangebot zu knapp wird, töten die Stärkeren die Schwächeren.
Umgekehrt wäre es absurd. Der Schwächere kann nicht den Stärkeren besiegen. Auch Kannibalismus ist hier zu erwähnen. Sie essen eine Kuh, Sie töten sie. Ist das etwa keine Selektion von Leben? Und
schließlich der Mensch. Warum sollte es bei ihm anders sein? Ihn selektiert man bereits von Geburt an, nicht wahr? Selektiert nach Klassen, je nachdem, wo er auf die Welt kommt. Selektiert ihn in
der Schule, je nachdem, ob er ein guter oder schlechter Schüler ist. Selektiert ihn im Berufsleben, je nachdem ... Und so weiter. Wenn die Menschen nicht genug von dem haben, was sie zum Leben
brauchen, wer fliegt dann zuerst raus? Der Schwächere natürlich. Und wenn sich die Lage noch mehr verschlechtert, verschlechtert sich auch die Lage des Schwächeren. Armut, Hunger und Tod. Wenn
die Bedingungen, damit alle überleben, nicht vorhanden sind, müssen einige sterben, damit andere überleben können. Es ist irgendwie logisch. Das gefällt niemandem, davon bin ich überzeugt. Nicht
den Gewinnern, und am allerwenigsten den Verlierern. So gibt es zahlreiche Modelle und immer wieder Versuche, dem etwas entgegenzusetzen. Alles ist aber bisher immer wieder gescheitert. Wir
müssen die Kuh töten, um zu überleben. Die Veränderung, die Verbesserung – einfach gesagt: die Evolution – erlegt uns dies auf, ob wir wollen oder nicht. Vielleicht werden wir eines Tages in der
Lage sein, dies zu verändern, indem wir molekulare, atomare Prozesse noch besser verstehen lernen und sie schließlich in die Praxis umsetzen können.